5 Risiken einer LED-Retrofit-Installation, die jeder Elektriker kennen sollte

Retrofits gelten als praktische Lösung und flexible Alternative zu kompletten Neuinstallationen. Aber sie bergen auch Risiken für Monteure – im schlimmsten Fall bis zur Haftung bei Brandschäden.


Zum Auftakt der „Energiewende“ waren LED-Retrofits ein zentrales Thema in Deutschland und dem Rest der Europäischen Union. Als am 1. September 2009 die erste Stufe der EU-Verordnung 244/2009 zum schrittweisen „Phase Out“ herkömmlicher Glühbirnen in Kraft trat, machten sich anfänglich viele Privatverbraucher Sorgen, künftig geeignete Leuchtmittel für ihre geliebten Designer-Leuchten zu finden.


Zur allgemeinen Erleichterung präsentierte die Industrie Retrofit-LEDs nach dem Motto: Gleiche Fassung, aber umweltschonende Leuchtmittel im Handumdrehen installiert. Die Verbraucher konnten ihre Leuchten behalten und sparten sogar Geld. „Für den Privatgebrauch können Retrofits problemlos verwendet werden und sind dort aufgrund ihrer Langlebigkeit, Farbwiedergabe und Energieeffizienz auch gut geeignet“, sagt Bastian Mäge, Innendienst Installationstechnik Vertrieb, HAGEMEYER Deutschland GmbH & Co. KG.


Aber während Retrofits also in privaten Haushalten eine dauerhaft tragbare Lösung darstellen, sieht die Situation im öffentlichen und planerischen Raum komplett anders aus. Im „Leitfaden Planungssicherheit in der LED-Beleuchtung“ empfiehlt der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) für Konversion von Leuchtstofflampen auf LED-Retrofits: „Diese Umrüstung der Leuchte und Sicherstellung der Einhaltung der elektrotechnischen und sicherheitsrelevanten Normen muss durch eine Elektrofachkraft erfolgen.“ #3086383

Hier sollten Elektriker und Monteure allerdings die Risiken genau abwägen, bevor sie sich für eine Retrofit-Konversion entscheiden. Denn in den meisten Fällen entsprechen Retrofit-Installationen nicht den aktuellen Sicherheitsstandards, vor allem was den Brandschutz angeht. Und im schlimmsten Fall sind Monteure bei Schäden sogar direkt persönlich haftbar, wenn ein Kabelbrand oder Überhitzung einer Retrofit-Anlage einen Brand auslöst. Hier die fünf wichtigsten Risiken, die Elektriker vor Auswahl einer Retrofit-Installation beachten sollten:

 

1. Retrofits und Brandgefahr


Auf den ersten Blick mag eine Umrüstung bestehender Leuchtstoff-Deckenlampen, etwa in Büros oder Klassenzimmern – mit LED-Retrofitröhren zahlreiche Vorteile bieten: Retrofits versprechen bis zu 80 Prozent geringere Stromkosten und dauerhaft konstante Lichtstärke bei einer Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden (BMUB) – noch dazu komplett ohne Investition in neue Wannen, Kabel, Unterteile oder Fassungen. In der Praxis birgt die Kombination aus Retrofits mit herkömmlichen Wannen und bestehenden Leitungen jedoch enorme Risiken. Hauptgrund Hauptgründe sind eventuelle Unterschiede in der Netzspannung sowie die Wärmeentwicklung von LEDs, die durch Belüftung im Gehäuse ausgeglichen werden sollte.

                                       

Kommt es zu einem Kabelbrand, liegt die Haftung beim Monteur (siehe 2.), da Hersteller für den Einsatz mit Retrofits nicht bürgen.
Kürzlich haben einzelne Leuchtmittelhersteller ihre Verkäufer per Mailing ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihre Wannen generell für Retrofits ungeeignet sind.

Andere Hersteller übernehmen ebenfalls keinerlei Garantie für die Kombination aus Retrofits und Wannen oder Unterteilen; und vermerken im Kleingedruckten, die Retrofit-LED-Röhren seien „nur in Verbindung mit einer für den Anwendungsbereich zugelassenen Leuchte zu betreiben. Einzige Ausnahme sind speziell ausgelegte Wannenleuchten ausgewählter Hersteller (siehe 3.). "Diese bedeuten aber im Klartext eine Neuinstallation, also kann der eigentliche Zweck der Retrofits – nämlich Ersatz von konventionellen Leuchtmitteln bei bestehenden Anlagen – an dieser Stelle gar nicht erfüllt werden", sagt Bastian Mäge von HAGEMEYER. #3090870

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2. Haftung liegt beim Monteur

Rechtlich gesehen bergen Retrofit-Konversionen enorme Risiken, denn hier verlieren reguläre Zertifizierung und Sicherheitsstandards (siehe 3.) weitgehend ihre Gültigkeit. Der Hauptgrund: Auch wenn die Retrofit-Leuchtmittel selbst mit Sicherheitszertifikat geliefert werden, sind Wannen, Halterungen und Fassungen oft nur für den Einsatz mit herkömmlichen, ausdrücklich vorgesehenen Leuchten zertifiziert. Hieraus ergibt sich klare Haftungsfreiheit für Hersteller im Schadensfall – und Haftung für den Elektriker erklärt Bastian Mäge: „Installiert der Monteur trotzdem diese Röhren und es kommt zum Brandfall, sagt der Gutachter: ‚Zeigen Sie mir das Zertifikat, welches belegt, dass Sie Retrofits in diese Wannen einsetzen dürfen.’ Das wird der Monteur dann nicht können und er trägt den Schaden.“

Hierzu auch der Leitfaden Planungssicherheit: „Durch den Umbau der Leuchte geht die technische, insbesondere die sicherheitstechnische Verantwortung für die Folgen des Umbaus in die Hände des Umbauenden über.“ Dementsprechend warnen auch die Hersteller, dass die Integrität der Leuchte teilweise verletzt wird und der Brand- und Berührschutz nicht mehr gewährleistet ist.

Als Beispiel nennt Bastian Mäge: „Während bei Wannen mit VVG beim Einsetzen der Retrofit-Tube nur der Starter überbrückt werden muss, muss bei Wannen mit EVG entweder eine EVG-taugliche Retrofit-Tube verwendet werden – welche viel teurer sind – oder die Leuchte umverdrahtet werden.“ Manche Hersteller bieten zwar im Internet spezielle Checklisten an, in denen die Kompatibilität zwischen Retrofit-Röhren und EVG geprüft werden kann. Aber gleichzeitig erlischt durch diese Umbauten, selbst wenn sie von Fachpersonal durchgeführt werden, jegliche Sicherheit seitens der Hersteller.
So informierte Hersteller Schuch kürzlich seine Kunden: „Im Rahmen unserer gesetzlichen Produktbeobachtungspflicht gem. § 5 Abs. 1, Nr. 2 des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes weisen wir auf diese sicherheitsrelevanten Risiken hin und empfehlen dringend von Umrüstungen an SCHUCH-Leuchten abzusehen.“

 

3. Keine Abdeckung durch Zertifikate der Hersteller

Wie bereits angesprochen sind LED-Retrofit-Leuchtmittel zwar per Sicherheitszertifikat geschützt, bei einigen Herstellern durch die IEC 62776. Jedoch weigern sich die Hersteller aus Sicherheitsgründen, alte Wannen im Nachhinein für den Einsatz mit Retrofits zu normen. Weiterer Grund ist, dass das Zusammenspiel mit Wannen und Halterungen sowie die Netzspannung schwer zu standardisieren sind.
Wer als Installateur zu Retrofit-Leuchtmitteln die passenden, zertifizierten Wannen sucht, wird aktuell nur bei einigen wenigen Herstellern fündig. So bietet etwa die Firma Schuch explizit nach Norm IEC 62776 zertifizierte Feuchtraum-Wannenleuchten für den Einsatz mit LED-Retrofitröhren an. Auch die Marke Ledvance bietet spezielle Wannen im Zusammenspiel mit Retrofitröhren. Das große Aber ist jedoch: „Eine Neuinstallation mit entsprechender Wanne und den geeigneten Retrofits macht auch keinen Sinn, denn da kann gleich eine LED-Komplettleuchte verwendet werden“, sagt Bastian Mäge von HAGEMEYER.

                                                                  

 

4. Keine Zuschüsse für Retrofits

Wer durch Installation von LED-Retrofits auf öffentliche Zuschüsse und Steuervergünstigungen hofft, liegt leider falsch. Zwar verspricht die aktuelle LED-Leitmarktinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) aktuell Zuschüsse von bis zu 30 Prozent für den Einbau hocheffizienter LED-Beleuchtung in Verbindung mit einer nutzungsgerechten Steuer und Regelungstechnik.

                                                           

Der einzige Haken: Umrüstsätze und Retrofit-Lösungen – das bedeutet einfacher Austausch der Leuchtmittel, Leuchten bleiben unverändert – sind von der Förderung durch die Richtlinie grundsätzlich ausgeschlossen. Grund: „Sie erreichen in der Regel nicht die Einsparungen, die durch Umstellungen des gesamten Leuchtensystems erzielt werden.“

5. Dauerhafte Unterstützung seitens der Branche nicht gesichert


Zwar mögen Retrofits der Energiewende anfangs ihren Schrecken genommen haben, aber auf Dauer steht ihre wirtschaftliche Rentabilität für die Leuchtmittelbranche unter einem großen Fragezeichen. Retrofit-Modelle für den Hausgebrauch sind inzwischen unter 10 Euro erhältlich, laut einem SPIEGEL-Bericht ein „magischer Punkt“, an dem die Gewinnspannen massiv geschrumpft sind.
Auch der „Ersatzbedarf“ geht zunehmend zurück und Kunden greifen lieber direkt zu reinen LED-Leuchtmitteln, deren Marktanteil laut einer Untersuchung von McKinsey bis zum Jahr 2020 bei rund 70 Prozent liegen soll. Somit schwindet der Anreiz für Hersteller, Retrofits dauerhaft zu unterstützen – und zwar sowohl im Consumer-Bereich, als auch für kommerzielle Installationen.

 

Fazit: Entweder ganz oder gar nicht

Wie dieser Artikel zeigt, gelten im öffentlichen und planerischen Raum andere Regeln als im Privatbereich. „Hier sind Retrofits nichts Halbes und nichts Ganzes und taugen aufgrund der Risiken noch nicht einmal als Übergangslösung. Sie werden im öffentlichen und planerischen Bereich auf Dauer vom Markt verschwinden. Monteure sind mit einer reinen Neuinstallation deutlich besser beraten,“ sagt Bastian Mäge.
Wer also eine dauerhaft tragbare, sicherheitstechnisch unbedenkliche und aus Sicht der persönlichen Haftung klar geregelte Lösung sucht, sollte Retrofits vermeiden und seinen Kunden reine Halogen-, Leuchtstoff-, oder LED-Varianten empfehlen. Weiterhin winken bei komplett neu installierten LED-Lösungen beträchtliche öffentliche Fördergelder und Steuervergünstigen, die eine anfängliche Investition auf Dauer rechtfertigen helfen.

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