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Klimaanlage Wartungsaufwand

Hallo,

wie hoch ist der jährliche Wartungsaufwand einer Klimaanlage (Split-Gerät)?

Was für Arbeiten fallen an?

  • Registered Users Mitglied

    Ich habe selbst mal recherchiert. 

    Laut Gesetzgeber muss von einmal alle 2 Jahre bis zu 4 mal jährlich eine Wartung durchgeführt werden, dort wird dann folgendes gemacht:

    • Funktionsprobenentnahme/ Funktionsprüfung
    • Wechsel Kältemittel
    • Vollständiges Auffüllen des Kältemittels
    • Dichtheitsprüfung
    • Reinigungsarbeiten
    • Austausch der Filter bei Bedarf

    Wenn nicht einmal die Filter gewechselt werden, dann Verkeimen Klimageräte recht schnell. Kosten sind ca. 60€-100€

  • Als Antwort auf Laie1:

    Laie1
    Laut Gesetzgeber muss von einmal alle 2 Jahre bis zu 4 mal jährlich eine Wartung durchgeführt werden,

    Hallo Laie1,

    ich denke mal, dass ist so nicht ganz richtig. Der Fachverband der Klimaanlagen-Installateure hätte sicherlich seine helle Freude mit so einem Gesetz, aber bei dem was du das recherchiert hast, wird es sich wohl eher um eine "Empfehlung" handeln, die ganz bewusst in einem verbindlichen Ton verfasst wurde - Das erinnert mich an die Sache mit dem E-Check.  

    Zuerst einmal muss unterschieden werden, ob die Klimaanlage in einem gewerblichen Umfeld betrieben wird, oder innerhalb der eigenen vier Wände (des Kunden). Im ersten Fall ist es ohnehin üblich, jedes Jahr im Frühjahr die Siebe zu reinigen sowie die Lamellen des Verdampfers und alle Oberflächen, die mit dem Luftstrom in Berührung kommen, zu desinfizieren. Das fördert die Gesundheit der Mitarbeiter und verlängert die Lebensdauer der Klimageräte. Außerdem sind gewerbliche Betreiber von Raumlufttechnischen Anlagen gesetzlich dazu verpflichtet, die Raumluft sauber zu halten und auf die Energieeffizienz der Anlagen zu achten. Das bedeutet also, die Raumluft darf durch die Klimaanlage nicht verschmutzt oder mit gesundheitsschädlichen Organismen verseucht werden (Filter reinigen und Luftkanäle desinfizieren) und die nominale Leistungsaufnahme der Geräte darf nicht überschritten werden - das erfolgt am besten durch Energie-Monitoring.

    Zum Punkt Kältemittel wechseln: Angesichts der jüngsten Preisexplosion für R134a kann ich mir nicht vorstellen, dass irgend jemand freiwillig alle 4 oder sogar alle 2 Jahre das Kältemittel wechseln lässt. In der Praxis wird der Druck des Systems bei der jährlichen Wartung gemessen und ggf. etwas aufgefüllt. Selbst bei Industrie-Klimageräten, wie der Rittal TopTherm-Reihe, wird das R134a nur dann (komplett) gewechselt, wenn im Zuge der Reparatur einer undichten Stelle oder für den Kompressortausch das Klimagas zuvor abgelassen werden musste. Üblicherweise wird nur etwas nachgefüllt und eventuell dabei ein bisschen Öl für die Schmierung der Ventile und des Kompressors beigefügt. Das war's das aber schon.

    Im zweiten Fall, also beim Einsatz der Klimaanlage im Privatbereich, hat der Gesetzgeber nichts zu melden, da hier keinerlei Gesundheitsrisiko oder Personenschaden entsteht, wenn die Wartung nicht regelmäßig durchgeführt wird. Auch hier kann es sich nur um eine "nachdrückliche" Empfehlung handeln, wie den Test-Knopf beim FI jeden Monat zu drücken - und mal ehrlich, wer macht das schon und wer wurde wegen Unterlassens dieser Servicearbeiten jemals verurteilt? Na eben ;-)

    Auch beim Auto schreibt der Gesetzgeber lediglich alle 1 bzw. 2 Jahre eine Überprüfung vor, die den "Sicherheitszustand" (Bremsen, Beleuchtung, Reifen, Lager etc.) sowie die Umweltverträglichkeit (Abgasuntersuchung) des Fahrzeuges beinhaltet. Wann zuletzt das Motoröl gewechselt wurde, interessiert den Gesetzgeber herzlich wenig. Das ist auch mit dem Kältemittel einer Klimaanlage so. Solange ein "zugelassenes" Mittel verwendet wird, ist es egal, ob bzw. wie oft es gewechselt wird.

    Sinkt der Druck, reduziert sich die Kühlleistung solange, bis sich irgendwann mal der Kompressor der Anlage nicht mehr einschaltet. Hat das System ein Leck, tritt das Klimagas aus und verteilt sich in der Atmosphäre (das merkt man meist auch nur daran, dass bei der Klimaanlage nur noch der Ventilator arbeitet, aber nicht mehr das Kühlsystem) - das ist zwar nicht schön, aber doch um einiges umweltfreundlicher als die früheren FCKW-haltigen Mittel (die ja mittlerweile Verboten sind). Die aktuell erlaubten Klimagase sind in geringen Mengen auch nicht gefährlicher, als wenn eine Energiesparlampe zu Bruch geht (jaja, ich kenne die medial geschürten Ängste, aber mit der Realität haben sie nur wenig zu tun). Wer noch ein altes Gerät in Betrieb hat, das ein Klimagas mit FCKW zur Kühlung verwendet, kann dieses zwar der Umwelt zuliebe durch Isobutan (R600a) ersetzen lassen, aber noch besser wäre es, diese alte Stromzecke als ganzes gegen ein Energie-effizienteres Modell zu tauschen. 

    Ich persönlich finde es übrigens ganz gut, dass die Preisentwicklung des Kältemittel Tetrafluorethan (R134a) so stark nach oben dreht, denn nur so kann die Reduktion laut der sogenannten F-Gas-Regulierung beschleunigt werden, um dem wesentlich umweltfreundlicheren R1234yf oder R32 den Weg zu ebnen.

    Also, der Wartungsaufwand/-umfang im gewerblichen/industriellen Bereich sollte nach den Vorgaben des jeweiligen Geräteherstellers im Zuge der wiederkehrenden Anlagenwartung erfolgen. Das beugt hohen Reparaturkosten vor und dient dem Wohle der Gesundheit aller Mitarbeiter. Im privaten Bereich ist die Klimaanlage nicht viel anders zu behandeln, als es auch mit der Klimaanlage im Auto gehandhabt wird: Prüfen und Desinfizieren/Reinigen (lassen) - Ja, Klimagas (regelmäßig) wechseln - Nein.

    Bild: Striebel Eltron Split-Raumklimasystem CAWR 35 Premium2 (#9081622)

    Übrigens, ein mobiles Klimagerät, wie das GAM14 AirBlue (#9003848) von Swegon, ist genauso wartungsfrei wie ein Kühlschrank. Das Klimagas (in diesem Fall R410A) wird im Werk aufgefüllt und muss nicht gewechselt werden. Funktioniert die Klimaanlage nicht mehr, dann ist etwas undicht und muss sie zur Reparatur in einen Fachbetrieb gebracht werden. Im Gegensatz zur Klimaanlage im Auto besitzen viele Kompaktgeräte und auch vom Laien anschließbare, also "steckerfertige" Monoblock- oder auch Split-Klimaanlagen gar keine Ventile zum Ablassen und Nachfüllen des Kältemittels.

    Hier ein Foto von der Klimagas-Füllstation eines Klimageräte-Herstellers, für den ich mal eine Zeit lang gearbeitet hatte.
    Der große Behälter ist mit fast 1000 kg R134a gefüllt (das aktuell zw. 50 und 60 Euro je Kilo kostet) und dahinter befindet sich die Apparatur mit Druckerhöhungspumpe zur Dichtheitsprüfung des Systems, danach erfolgt das Befüllen mit Kältemittel und anschließend noch eine Leckprüfung.