Schalter/Steckdosen mit Tragring aus Plastik

Hallo zusammen!

Nachträglich nochmals Frohe Weihnachten!

Mir fallen in letzter Zeit immer wieder Lichtschalter und auch Steckdosen auf, bei denen der Tragring/Montagerahmen aus Plastik gemacht ist, nicht wie üblich aus Stahlblech. Dabei handelt es sich nicht (nur) um billige Noname-Produkte, sondern auch um Schalterprogramme von namhaften Herstellern wie Schneider, Bosch, Eaton, Kopp, Gira, Jung usw.

Vor allem bei den neuen, smarten (Funk-)Schaltern besteht fast alles aus Kunststoff. 

  • Diese Kunststoff-Tragringe sind sogar als Ersatzteile erhältlich - siehe Gira 533800 #5052297 
  • Auf der anderen Seite sind sie auch in Metallausführung erhältlich - siehe Gira 112700 #5002411

Welchen sollte man nehmen Haben diese Tragringe aus Plastik irgendwelche Vorteile gegenüber den metallenen Platten oder ist das nur eine günstigere Herstellungsmethode?

  • Hallo Licht.Punkt,

    ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Zuerst dachte ich, es handelt sich dabei um billige Fernost-Fabrikate, da ich die Plastik-Montageplatten zuerst bei den Eigenmarken-Schalterserien in den Baumarktregalen sah.

    Alles andere als Billigprodukte sind die GIRA EnOcean Funk-Wandsender in der wunderschönen Alu-Optik (z.B. 2-fach Funk-Schalter 242226 #2149382). Ein Top-Lichtschalter, der ohne Batterien auskommt – EnOcean eben – und alles montiert auf einem Tragring aus Kunststoff.

    Ob preislich ein großer Unterschied besteht zwischen dem Stanzen einer dünnen Blechplatte und dem Pressen einer Kunststoffplatte kann ich nicht sagen. Vom Rost ist ein UP-Lichtschalter oder eine UP-Steckdose auch nicht bedroht und die Montage sollte ohnehin immer im spannungsfrei geschalteten Stromkreis erfolgen, insofern dürfte auch die Stromleitfähigkeit des Metalltragrings keine Rolle Spielen.

    Interessanterweise sind die beiden von dir angegeben Tragringe (Kunststoff und Metall) für KNX-Wandschalter vorgesehen. Allerdings schlägt GIRA für den Tragring aus Metall 112700 (Hagemeyer Art.Nr. #5002411) als optionales Zubehör (sprich Ersatzteil) für folgende Tastsensoren vor:

    • KNX Tastsensor 3 Basis 2-fach (1+1) (Hagemeyer Art.Nr. #5028657)
    • KNX Tastsensor 3 Komfort 2-fach (1+1) (Hagemeyer Art.Nr. #5028659)
    • KNX Tastsensor 3 Komfort 4-fach (1+3) (Hagemeyer Art.Nr. #5028661)
    • KNX Tastsensor 3 Plus 3-fach (1+2) (Hagemeyer Art.Nr. #5028670)
    • usw.
    • und der erforderliche KNX-Busankoppler-Einsatz 3 200800 (Hagemeyer Art.Nr. #5028619) ist auf der Rückseite dieses Metalltragrings befestigt.

    Beim Tragring aus Kunststoff 533800 (Hagemeyer Art.Nr. #5052297) sind dagegen folgende kompatible Geräte angeführt:

    • KNX-RF Tastsensor 1-fach (Hagemeyer Art.Nr. #5050214)
    • KNX-RF Tastsensor 3-fach (Hagemeyer Art.Nr. #5050213)
    • ZigBee® Light Link Funk Wandsender BSF (Hagemeyer Art.Nr. #2150641)
    • eNet Funk Wandsender 3-fach BSF (Hagemeyer Art.Nr. #2900958)
    • usw.
    • und wenn keine HW-Dose oder UP-Dose vorhanden sein sollte, können diese Funk-Wandsensoren auch mit dem Montageplattenset 533900 aus Kunststoff (#2900959) überall angeschraubt werden.

    OK soweit. Was sofort ins Auge sticht:
    Bei Gira ist der Tragring aus Metall für alle verkabelten KNX-Wandsender (und Busankoppler) vorgesehen, während der Tragring aus Kunststoff bei drahtlosen Funk-Wandsendern eingesetzt wird. Ob das ein Zufall ist? Oder würde eine Metallplatte eventuell die Qualität des Funksignals beeinträchtigen?

    Hmm.

    Auch der praktische BERKER KNX-Funk Wandsender 1-fach 85655289 (Hagemeyer Art.Nr. #2922742) ist auf einem Kunststoff-Tragring befestigt. Genauso wie der EnOcean KNX-Funk Wandsender 24111200 (Hagemeyer Art.Nr. #5052303). Die "normalen" KNX-Lichtschalter, also all jene, die einen Busankoppler integriert haben, sitzen dagegen – wie bei GIRA – auf einem Tragring aus Metall (siehe z.B. das 2-fach Tastsensor-Modul 80142180 / Hagemeyer Art.Nr. #5047536)

    Das ergäbe jetzt eine schön passende logische Erklärung, wäre da nicht der BERKER Netz-Einsatz für KNX-Funk Aufsatz (Hagemeyer Art.Nr. #2906505), der blöderweise genau auf einer Metallplatte montiert ist. Nun ja, viele Theorien halten in der Praxis leider nicht stand ...
    Interessant finde ich allerdings diesen Satz aus der Produktbeschreibung: "Erweiterung der Elektroinstallation ohne Verlegung weiterer Steuer-Leitungen, keine leitende Verbindung zwischen Tragring und Spreizkrallen, mit Schraubklemmen."

    Hmm, "keine leitende Verbindung zwischen Tragring und Spreizkrallen". Ob das vielleicht etwas damit zu tun haben könnte, was in diesem Beitrag kurz angerissen wurde: nämlich, dass die scharfen Krallen u.U. die Isolierung stromführender Adern beschädigen könnten. Damit würde am Tragring im Fehlerfall eine gefährliche Berührungsspannung anstehen. Ob eine verschleppte Spannung das auch die Signalstärke schwächen würde?
    Aber warum verwendet Berker dann nicht auch einfach einen Tragring aus Kunststoff? Vielleicht weil dieses Material die Belastungen beim Verspannen der Krallen nicht aushalten würde? Zumindest nicht, ohne sich zu verziehen.

    Fragen über Fragen. Sorry, jetzt habe ich sogar noch mehr Fragen zu diesem Thema aufgezeigt.

    Wäre großartig, wenn ein Vertreter eines Schalterherstellers Licht in diese Sache bringen könnte – Informationen aus erster Hand sozusagen :)

  • In reply to Markus Mattern:

    Die Frage lässt mir keine Ruhe :) Ich habe mich noch mal durch die Lichtschalter- und Steckdoseneinsätze im Hagemeyershop gekämpft und auch Google nach einer Antwort befragt. Aber wie immer lieferte Google keine generelle Antwort, nur einzelne Treffer innerhalb meiner Filterblase.

    So gut wie alle konventionellen Lichtschalter, Dimmer und Steckdosen sind auf einem Tragring aus verzinktem Stahlblech montiert. Bei den meisten Produkten ist angegeben (oder aus der Konstruktion ersichtlich), dass der Tragring zur Kralle isoliert ist. Siehe als Beispiel den Merten Wechselschaltereinsatz MEG3128-0000 (#2895297).

    Also hat dies doch etwas mit Berührungsschutz zu tun?

    Jetzt gibt es allerdings zumindest zwei namhafte Marken, die zusätzlich auch Schalterprogramme mit Tragringen aus Kunststoff anbieten: Schneider Electric und Legrand.

    Von Schneider weiß man ja, dass sie andere Firmen (wie Merten, Elso usw.) zukaufen, ihnen aber ihre eigene Produktpalette auch weiterhin produzieren lassen. Nun wird unter dem Markennamen Schneider Electric beispielsweise auch das Schalterprogramm "Odace" vertrieben, das durchgehend mit Kunststofftragringen ausgestattet ist.

    Legrand bietet sogar drei unterschiedliche Ausführungen bei den Schalterprogrammen an. Während die bekannten Pro21-Einsätze noch mit Tragringen aus Metall ausgestattet sind, kommt die Valena-Serie mit einer Kunststoff-Schutzabdeckung am Metalltragring und die Niloe-Serie wird gleich mithilfe einer Kunststoffplatte montiert. Die Schutzabdeckung wird mit "maximalem Berührungsschutz vor Stromschlag und Verletzungen" beworben und der Vollkunststoff-Tragring als flexibel, verwindungssteif, anpassungsfähig, vollschutzisoliert sowie einfacher und schneller zu installieren.

    Nun, meine Theorie im vorigen Beitrag muss ich wohl wieder zurücknehmen, nämlich, dass der Tragring aus Kunststoff in erster Linie bei Funk-Wandsendern eingesetzt wird. Korrelation ist eben nicht Kausalität. 

    Jetzt kann es aber doch sein, dass ein Metalltragring eine störende Wirkung auf Funksignale hat und daher Funk-Wandsender mit so wenig Metall wie möglich produziert werden, um die abschirmenden Eigenschaften zu minimieren. Und anstatt die Tragringe für konventionelle Schalter und Funk-Schalter aus zwei verschiedene Materialien zu fertigen, könnte man ja auch gleich die Kunststoff-Version für beide Technologien verwenden.

    Während die seit Jahrzehnten etablierten UP-Einsätze weiterhin in der für den Kunden gewohnten Konstruktion angeboten werden, sind vorerst nur die neuen Schalterprogramme in "vollschutzisolierter" Ausführung erhältlich. Von der Form der Ausnehmungen zu schließen, lassen sich Tragringe aus Kunststoff und Metall jedenfalls nicht zu einer Kombination aneinanderreihen.  

    Aber auch das ist wiederum nur eine Theorie meinerseits ;)

    Würdet ihr eher einen Lichtschalter bzw. Steckdose mit Metall-Tragring oder mit Kunststoff-Tragring kaufen?

  • In reply to Markus Mattern:

    Kurzer Nachtrag:

    Ich hatte kürzlich einige dieser Schalterprogramme in meinen Händen, die einen Tragring aus Kunststoff besitzen oder bei denen der Metall-Tragring mit einer Kunststoff-Abdeckung isoliert ist.

    Und ich muss sagen, die Kunststoff-Abdeckung der Legrand-Serien Niloe und Valena Allure sieht echt hochwertig aus. Sie ist an mehreren Stellen fest mit der Metall-Grundplatte verbunden und wackelt nicht.

    Was ist die beste Marke für Lichtschalter und Steckdosen? Zusammen mit dem meiner Meinung nach besten Schaltwerk und den versteckten Spreizkrallen ist Legrand immer noch mein absoluter Favorit, wenn es um UP-Einsätze für Lichtschalter und Steckdosen geht. Auf Platz zwei kommt Busch-Jäger und danach Merten

      

    Besonders überrascht hat mich der Kunstoff-Tragring des Odace-Schalterprogramms von Schneider Electric. Das Unternehmen Schneider vertreibt in Deutschland in erster Linie Schalter und Steckdosen der Firma Merten, hat aber auch ein sehr umfangreiches Angebot unter eigenem Namen, aus dem auch das Odace-Design stammt. Der Tragring greift sich sehr robust und fest an, ist aber ein klein bisschen elastisch, damit es nicht bricht. Der Kunststoff-Tragring lässt sich mit separaten Spreizkrallen nachrüsten, ist aber für die Montage mit Befestigungsschrauben vorgesehen.